Donnerstag, 22. Dezember 2011

Nach "Eine Spur von Rot", Teil 1

Weihnachten steht unmittelbar vor der Tür und da mich die Geschichte von Michal & dem Vampir Finjas aus der „Stille Nacht“-Anthologie immer noch nicht loslässt, gibt es als kleine Bescherung jetzt eine Fortsetzung der Kurzgeschichte, während es in meinem Blog-Eintrag vom 6.11.2011 die Vorgeschichte gibt. Wer „Eine Spur von Rot“ noch nicht gelesen hat, sollte übrigens lieber warten, bis er sie kennt, ansonsten verdirbt er sich die Spannung!

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Lesen & eine wunderbare Weihnachtszeit,
Eure Tanja


Die Spur im Schnee


Michal streichelte behutsam durch Finjas feines Haar. In ihrem Unterschlupf unter einer Anhöhe war es stockdunkel. Während ihre Finger die Wellen erspürten, die es warf, stand ihr die Farbe seines Haars trotzdem lebhaft vor Augen: ein warmes Karamell, das im Licht des Ofens geschimmert hatte. Es hatte ganz lebendig ausgesehen, genau wie die Röte, die sich auf seinen Wangen abgezeichnete, als sie sich angekleidete. Wie lang war das her? Nicht mehr als in paar Stunden und doch war es in einem anderen Leben gewesen. Und jetzt fühlte er sich auch warm an, strahlte förmlich vor Hitze, sodass auch sie in dieser langen Winternacht nicht fror, solange sie an ihn geschmiegt blieb.
Ich wünschte, ich könnte Großmutter davon erzählen, dass sie weder leblos noch kalt sind, dachte Michal. Aber vermutlich würde sie mir nicht einmal dann glauben, wenn sie Finjas auf die gleiche Art erlebte wie ich. Die alten Geschichten, die wir uns seit Generationen über die Vampire erzählen, sind zu stark, sie erscheinen echter als die Wirklichkeit. Vermutlich hätte Michal ihre Meinung ebenfalls nicht geändert, wenn die Geschicke der Nacht sie nicht dazu gezwungen hätten. Wer käme auf die Idee, dass man bei der Erinnerung, wie man ins Eis einbricht, ein Flattern in der Brust verspürt, weil sich der Atem vor Aufregung beschleunigt? Allerdings nicht aus Furcht vor dem schwarzen Wasser, das an einem zieht, sondern wegen der Hände, die nach einem ausgestreckt werden. Es war unfassbar viel passiert, seitdem sie ihre Wanderung durch die Schneeweiten trotz der anbrechenden Dämmerung fortgesetzt hatte. Gut möglich, dass sie deshalb so rasch auf Finjas zugegangen war, weil sie keine Zeit zum Nachdenken gehabt hatte, sondern sich voll und ganz auf ihr Gefühl verlassen musste. Und es war richtig gewesen, bekräftigte Michal ihre Entscheidung, während die mahnende Stimme ihrer Großmutter immer mehr verklang.
„Schläfst du?“, flüsterte sie.
„Ich träume eher.“ Michal ahnte das Lächeln auf seinem Gesicht, das an ihrer Schulter ruhte, nicht unweit der Stelle, an der sie die Speerspitze verletzt hatte. Die Schnittwunde pochte dumpf unter dem provisorischen Verband, den Finjas um ihren Hals gebunden hatte. „So habe ich mich noch nie zuvor gefühlt, ganz wach und doch benommen zugleich. Ich würde zu gern wissen, ob es daran liegt, dass ich von dir getrunken habe.“
Bei der Vorstellung, wie sie, noch geschockt vom Kampf, den schwer verletzten Finjas an sich gezogen hatte, verlagerte sich das Flattern von ihrer Brust in den Bauch. Dann kam ihr in den Sinn, dass ihm ihre Aufregung keineswegs entging, so nah, wie er ihr war. Aus dem Flattern wurde ein ausgewachsener Flügelschlag.
„Bestimmt liegt es daran, dass dein Körper kein Menschenblut kennt“, antwortete sie ausweichend.
Finjas schwieg einen Moment lang, wobei er mit den Fransen ihres Halstuchs spielte. Michal hätte viel dafür gegeben, einen Blick in sein Gesicht zu werfen und herauszufinden, was sich in ihm abspielte. Ihre Sinne waren nicht empfindsam genug, um seinen Herzschlag durch die dicke Winterkleidung hindurch zu erspüren.
„Nein“, setzte Finjas bedächtig an, „eigentlich glaube ich das nicht.“
„Woran liegt es deiner Meinung nach denn dann?“ Michael konnte nichts dagegen tun, dass sich ein Schwanken in ihre Stimme schlich.
Doch sie wartete vergeblich auf seine Antwort.
Ein Beben ging durch Finjas Körper und er stöhne kaum hörbar auf.
„Der Tag bricht an.“ Die Worte schienen ihm Kraft zu kosten. „Nur noch wenige Augenblicke und ich werde einschlafen. Dagegen kann ich nichts tun, ganz gleich, wie lebendig ich mich an deiner Seite fühle.“
Michal schluckte. In ihrer Welt nannte man den Zustand, in den die Vampire den Tag über verfielen, nicht Schlaf sondern Tod. Und in der Nacht lebten sie nicht, sondern raubten Leben, um zu wandeln. „Es sind nur wenige Stunden, bis die Sonne wieder untergeht. Gewiss wird sie nicht einmal richtig zu sehen sein.“
„Was wirst du während dieser Zeit tun?“
„Darauf warten, dass du wieder ... erwachst.“
„Das wäre nicht richtig.“ Finjas Stimme klang schleppend und rau, als würde der Schlaf ihn bereits übermannen. Nach einem kurzen Zögern legte Michal ihre Hand auf seine Wange und spürte merklich, wie ihn das Leben verließ. „Du brauchst Essen, du brauchst ... Wärme.“ Dann verstummte er und zog sich von ihr zurück.
Hastig griff Michal nach ihm, wollte ihn wieder an sich ziehen. Als sie seinen Körper jedoch zu fassen bekam, verstand sie, warum Finjas sie freigegeben hatte: er war erstarrt. Würde er sie in diesem Zustand umarmen, wäre es ihr unmöglich gewesen, sich seinen Armen zu entwinden. Zu gern hätte sie ihn gefragt, ob er auch träumte, aber das konnte sie ja später tun. Nichts hielt sie davon ab, schließlich hatte sie beschlossen, bei ihm zu bleiben. Ein Mensch und ein Vampir in den endlosen, von Schnee bedeckten Wäldern.
Michal schlang die Arme um sich, denn jetzt, da Finjas sie nicht länger wärmte, drang die Kälte zu ihr durch. Schon nach kurzer Dauer begannen ihre Glieder steif zu werden und der dunkle Unterschlupf verlor zunehmend an seiner Gemütlichkeit. Schließlich gab sie auf und krabbelte dem diesigen Licht entgegen, das durch die Öffnung fiel. Das spärliche Tageslicht, das einen Weg durch die dichte Wolkendecke und die Tannenspitzen gefunden hatte, begrüßte sie. Michal atmete tief ein, obwohl ihre Nase dabei zu brennen anfing, und sah dann ihrem gefrorenen Atem hinterher. Dann reckte sie sich ausgiebig, nahm etwas Schnee auf und verrieb ihn zwischen ihren klammen Händen, bis sie rot waren und kribbelten.
In den letzten Stunden war Schnee gefallen und hatte ihre Spuren verdeckt. Das war gut, so würde niemand herausfinden, was genau in der letzten Nacht passiert war und auch nicht, wohin sie gegangen waren. Erleichterung überkam Michal, aber noch eindrucksvoller war der Hunger, den sie schlagartig wahrnahm und der sie an etwas erinnerte: an die Dinge, die sie im Korb mitgebracht hatte ... sie hatte sie zurückgelassen. Es gab also nichts für sie zu essen, außerdem verriet der Korb mehr über die vergangenen Ereignisse, als ihr lieb war.
Michal fasste einen Entschluss. Sie würde an den Fluss zurückkehren und alle Spuren beseitigen. Soweit ihr das möglich war, inspizierte sie ihre Kleidung auf Blutspuren, doch durch den dunklen Stoff war nichts zu erkennen und das Tuch, das ihre Halswunde bedeckte, war ohnehin rot. Vorsichtshalber rieb sie ihr Gesicht noch mit Schnee ab, dann machte sie sich auf den Weg, sich die Umgebung des Unterschlupfs, indem Finjas lag, sorgsam einprägend. Mach dir keine Sorgen,  selbst wenn du den Weg nicht rechtzeitig zurückfindest, wird er dich finden. Du kannst ihm nicht mehr verloren gehen.
Bis zum Fluss dauerte es länger als sie gedacht hatte. Sie war erschöpft und der Hunger setzte ihr stark zu. Endlich erreichte sie das flink zwischen Eisschollen dahinfliesende Gewässer. Dort lag der Korb unter einer zentimeterdicken Schneeschicht und Michal musste sich beherrschen, erst einmal alles zu säubern, anstatt eins der Einweckgläser zu öffnen und sich seinen Inhalt in den Mund zu stecken. Als sie soweit war, stellte sie enttäuscht fest, dass das Essen gefroren. Tränen brannten in ihren Augen. Sie war elend müde, durchgefroren und hungrig, außerdem setzte der Schneefall wieder ein. Alles Klagen brachte jedoch nichts, sie musste erst einmal von hier fort. Der Gedanke, was einige Meter von ihr entfernt noch unter der Schneedecke lag, ließ sie nämlich erzittern. So schnell, wie sie ihre Füße trugen, lief sie den Weg durch das Dickicht der Baumstämme zurück, den sie gekommen war.
Mit den Gedanken war Michal längst bei Finjas, als sie die Stimmen hörte.
Menschen! Dort suchte sich eine Gruppe Menschen einen Pfad durch den Wald.
Panisch schaute Michal sich nach einem Versteck um. Man durfte sie auf keinen Fall finden. Bestimmt wollte die Gruppe zum Treffpunkt, an dem sich die weit verstreut lebenden Menschen jährlich zum Weihnachtsfest einfanden. Wo auch sie ursprünglich hingewollt hatte. Beruhigt dich, ermahnte sie sich, als die Stimmen näher kamen. Niemand weiß, dass du hier bist und der Wald bietet guten Schutz.
In diesem Moment schlug ein Hund scharf an, gefolgt von aufgeregten Rufen. Da wusste Michal, dass sie keine Chance hatte, und bliebt stehen, wo sie war. Schon kurze Zeit später brachen Männer zwischen den Bäumen hervor, den geifernden Hund am Strick haltend. Sie trugen Stöcke in den Händen und sahen sie mit aufgebrachtem Blick an, um im nächsten Moment innezuhalten.
„Es ist nur ein Mädchen“, stellte einer von ihnen geradezu enttäuscht fest.
„Wenn du zum Weihnachtsfest willst, läufst du in die falsche Richtung, Kleines“, sagte ein anderer, älterer Mann mit langem Mantel freundlich.
„Das habe ich mir schon gedacht.“ Michal bemühte sich, ihre hörbare Verzweiflung in eine glaubhafte Geschichte zu verpacken. „Ich habe mich verlaufen, ich irre schon seit Stunden umher. Überall sieht es gleich aus und wegen der dichten Wolken ist der Sonnenstand nicht einmal zu erahnen.“
„Na, wie gut, dass wir dich gefunden haben!“ Der Mann lachte, wobei er sie unauffällig von oben bis unten maß. „Dein rotes Halstuch ...“, deutete er. „Mein Sohn Silas wird heute Abend auch auf dem Fest sein, ich stelle dich ihm gerne vor.“
Michal fasst unwillkürlich an ihren Hals. Ihre Großmutter hatte ihr das Tuch in der Hoffung mitgegeben, dass es die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes auf ihre Enkelin lenken würde. Nun verbarg es eine Wunde, die diese Menschen auf keinen Fall sehen durften.
„Komm.“ Der Mann legte einen kräftigen Arm um ihre Schultern und zog sie mit sich. „Sonst holen dich noch die Vampire, ein hübsches kleines Ding wie dich.“
Michal versteifte sich, dann gestand sie sich ein, dass es keine Möglichkeit gab, dieses Angebot auszuschlagen, und folgte dem Mann und seiner Schar. Fort von dem Unterschlupf, wo Finjas lag und nichts davon ahnte, dass sie nun doch getrennt wurden.

Ein vorläufiges Ende ...


Finnland im Schnee

Mittwoch, 7. Dezember 2011

6 Wichtel in der Ziellinie!

Nun haben Anika Beer, Mechthild Gläser, Michaela Hammesfahr, Nora Melling, Gesa Schwartz und ich den Nikolaus-Sack mit der Aufschrift "Stille Nacht" ausgepackt und folgende Wichtel-richtig-Zähler dürfen sich in den nächsten Tagen über ein Paket mit unserer Winteranthologie freuen:


Bianca Scraback
Melanie Reich
Yvonne de Buhr
Madlin Papke
Michaela Mettel
Sonja Klein


Herzlichen Glückwunsch 
einen ordentlichen Leserausch! 

Montag, 28. November 2011

Alle tot. Eine Lesung mit Antonia Michaelis

Autofahren kann eine schöne Sache sein, vor allem wenn man gerade eine Trilogie zum Abschluss gebracht hat. Na ja, in diesem Fall zumindest die Rohfassung, aber das ist doch auch schon mal was. Der letzte Satz klingt noch nach, als ich den Motor starte. Daran wird sich noch eine Weile nichts ändern, denn er wird vermutlich nicht der letzte Satz bleiben. Da muss ich noch mal ran, grüble ich. Ein Ende zu schreiben, hat ja etwas Befreiendes, aber man läuft halt auch Gefahr, sich von der Geschichte befreien zu wollen. Deshalb heißt es in den nächsten Wochen: lesen, polieren, umschreiben, noch einmal lesen, sich eingestehen, dass dieser Abschnitt Schrott ist, schrauben, basteln, anpassen etc.
Jetzt ist aber erst mal Freitagabend und mein einziger Job besteht darin, den letzten Satz aus meinen Kopf zu bekommen und anständig Auto zu fahren. Draußen ist es stockfinster, ich drehe die Musik lauter und singe mit. Nur leise, wir wollen ja niemanden erschrecken. Die Lesung, zu der es geht, findet in Sarstedt statt. Über Sarstedt kann ich nicht viel sagen, weil es dort ebenfalls ordentlich dunkel und vor allem menschenleer ist. Ähnliches gilt – Gott sei dank - nicht für den Lesungsraum, der aussieht wie ein kleines leerstehendes Geschäft, das jemand mit Stoffbahnen, Kerzen und einem roten Sessel in einen Ort verwandelt hat, in dem Autoren Märchen erzählen dürfen und wollen.
Antonia Michaelis liest
Die Märchenerzählerin dieses Abends heißt Antonia Michaelis und kämpft mit der Beleuchtung, sie will während der Lesung nämlich nicht in dem vorgesehenen roten Sessel sitzen. Was das genau bedeutet, wird das werte Publikum schon einige Minuten später herausfinden. Nix mit „Wir machen es uns jetzt mal richtig hübsch kuschelig und gemütlich, ist ja schließlich eklig kalt draußen vor der Tür“. Nee, Antonia sagt was zum Cover des Romans (Mädchen außen drauf, innen drinnen weg, hinten eine Schusswaffe – was bedeutet das, mh?), sagt, dass sie von oben rechts auf der Landkarte kommt, sagt dann noch rasch ein paar andere Dinge, die ich verpasse, weil ich einen Schluck Rotwein nehme. Das halbe, autofahrerfreundliche Glas – nicht dass sich hier jemand Sorgen macht.
Dann legt sie los, wortwörtlich, mit dem „Märchenerzähler“ in der Hand, stehend, jeden Satz mit Gesten untermalend, und mit einer Stimmgewalt, die wie geschaffen ist für große Theatersäle, aber einen Raum mit gut fünfzehn Leuten regelrecht überrollt und das Brummen des Heizlüfters locker an die Wand spielt. Aus meiner Sicht ist das Ganze ein wildes Schattenspiel, die in Schwarz gekleidete Autorin mit ihrer Ausdrucksfreude und dem gleißenden Lampenlicht, das ihren Umriss entweder hart umkränzt oder mich blendend. Erwartet irgendwer derartig viel Smackes bei einer Autorenlesung? Öfter mal was Neues, denke ich mir. Denn die letzten Lesungen, die ich besucht habe, waren vom Ton her eher zurückhaltend und zuhörerverbraucherfreundlich gestaltet. Bei Antonia ist das anders, da wird nicht nur die imaginäre Zigarette weggeschnipst, sondern auch das R ganz klassisch gerollt und betont, betont, betont. Spätestens, wenn sie das Wort Blut dicht vor einem stehend ausstößt, dass man ein Echo zu hören glaubt, zuckt die erste Reihe kollektiv zusammen und spinnt fleißig Fluchtszenarien, falls die Sache außer Rand und Band gerät.
Während Antonia den Prolog vorträgt, frage ich mich, wer von uns beiden länger durchhält: sie diese enorme Intensität oder ich mit meinem halben Glas Wein. Zumindest hat sich der letzte Satz der „Schattenschwingen“ verabschiedet und das finde ich großartig.
Langsam überwinde ich meine Verblüfftheit und wundere mich ein wenig über mich selbst. Ich kenne den Roman, aus dem vorgetragen wird. Und Romane verraten stets einiges über ihre Aufschreiber. Habe ich also ernsthaft erwartet, diese Frau Michaelis würde mit überschlagenen Beinen im Sessel sitzen und uns schüchtern durch Anna & Abels Geschichte führen? So etwas passiert einem doch nur, wenn man in einer beschlagenen Seifenblase lebt. Ich entspanne mich also zunehmend und vielleicht entspannt sich die Autorin auch, jedenfalls wird es immer leichter, mich auf ihren Lesungsstil einzulassen. Bei einer Sache bin ich mir allerdings schon nach dem zweiten Kapitel sicher: nach diesem Rausch wird Katerstimmung herrschen. Und das liegt dann nicht nur am theaterreifen und sehr fordernden Vortrag, sondern auch am Text selbst, der einen mitreißt und beschäftigt, bei mir nach über einem halben Jahr noch.
Das Durchhalten wird übrigens durch eine Pause erleichtert, in der es Kakao und Pfannkuchen passend zum Roman gibt - die Veranstalterin Claudia Duval vom Koxinel weiß, wie man Zuhörerinnen glücklich macht ... okay, einen Zuhörer gab es auch. Und da sehe ich es: das Leuchten der Zuhörerschaft. Die anfängliche Verstörung ist in Begeisterung umgeschlagen und der Zucker tut sein übriges. Das ist schon eine feine Sache, denke ich, dass wir uns mitnehmen lassen, obwohl wir erst einmal zurückhaltend reagieren, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden. Und davon kreisen ja zur Zeit viele um Romane herum, viele Leser haben ja schon einige wegkonsumiert und Lesungen besucht, sodass ihnen ihre Erwartung zuflüstert „Ich weiß ganz genau, was wir beide mögen, wir wollen uns wohl und gut aufgehoben fühlen und bitte nicht aufgefordert werden, uns auf etwas Unbequemes einzulassen“. Wie gut, wenn einem dann mal nichts anderes übrigbleibt, weil man an der Autorin vorbei müsste, um zum Ausgang zu gelangen. Und die hatte doch vordem Blut so gänsehautmäßig ausgesprochen ...
Antonia Michaelis liest immer noch
Mit vollem Bauch und innerlich gestählt für die zweite Runde, geht es heiter weiter, bis die zwei Stunden Lesung voll sind. Ein Rekord, jedenfalls auf meiner Liste. Und dann die berühmte Frage „Gibt es Fragen?“. Jede Menge, aber sie wollen nicht recht aus einem heraus, jedenfalls nicht aus mir, und auch um mich herum wirken die meisten selig, verliebt, aber auch proppevoll mit Eindrücken. Da lässt man sich dann lieber das eigene Exemplar mit bunten Stiften bemalen und freut sich als Autorin auf die Rückfahrt durch die Nacht, wenn zwar der reinste Stimmentrubel im Kopf herrscht, aber keine davon einer eigenen Figur gehört. Es ist fast wie white noise.


Sonntag, 6. November 2011

„Stille Nacht“ – das magische Gewinnspiel


6 Autorinnen, 6 Geschichten und ein Gewinnspiel bis zum 6.12., bei dem es je ein Exemplar von 6 „Stille Nacht“-Anthologien zu gewinnen gibt.




Tanja Heitmann, Gesa Schwartz, Anika Beer, Michaela F. Hammesfahr, Nora Melling, & ein „special guest“ laden zu einer winterlichen Reise durch Zeichnungen, Gedichte oder auch Szenen ein, die mit ihren Geschichten aus „Stille Nacht“ verbunden sind. Außerdem treiben sich Weihnachtswichtel herum und geben ein verspieltes Zahlrätsel auf. Wer die Zahl herausfindet und sie bis zum 6. Dezember 2011 an stille-nacht-verlosung@gmx.de schickt, kann an der Verlosung teilnehmen.


Und hier startet unser Weihnachtswichtelrätsel: 10 kleine Weihnachtswichtel liefen durch den winterlichen Wald Finnlands, wo sie zwischen den Baumriesen und umringt von Schnee ein Liebespaar sahen. Gebannt blieben sie stehen, bis das Paar aus ihrer Sicht verschwand. Als sie ihre Reise fortsetzen wollten, steckten zwei bis zur Nase im Schnee fest. Da waren es nur noch  ... ein paar Übrige. Und die machten sich auf zur Homepage von Anika BeerViel Glück!


Wer Lust auf einen Vorgeschmack auf meine Geschichte "Eine Spur von Rot" hat, findet sie hier - keine Angst, sie ist spoiler- aber nicht vampirfrei ;-)



Eine Szene in Rot


von
Tanja Heitmann


Finjas stand am Fenster und blickte auf die Straße hinab.
Dort sah er nichts als Leere, obgleich reges Treiben herrschte.
Jetzt, zur dunkelsten Stunde, waren sie unterwegs, gingen ihren Geschäften und Vorlieben nach und bevölkerten diese bei Tag ausgestorbene Stadt. Denn das Licht der Sonne offenbarte, was sie wirklich waren: unvollständige Geschöpfe, denen nur ein halbes Leben in der Dunkelheit zustand. Wie schon so oft malte er sich aus, wie er zur Mittagsstunde durch verwaiste Straßen schlenderte, die von herbstlich schimmernden Baumkronen gesäumt wurden, deren Farbspiel er lediglich von künstlichem Licht belebt kannte. In seinem Tagtraum waren die hektischen Schritte der Passanten verklungen, genau wie ihre tausend Gerätschaften, die der Nacht die Stille raubten. Bei Tag hingegen herrschte Vogelgesang - und jetzt im Herbst nicht einmal das, so malte es sich Finjas zumindest aus. Eine kitschige Vorstellung, aber er brauchte sie, er hielt sich an ihr fest.
Derlei Gedanken gingen Finjas schon seit einiger Zeit durch den Kopf, hatten sich mit dem Schneetauen zu Jahresbeginn zu ihm gesellt, hatten dem Frühlingserwachen seinen Zauber geraubt und den Sommer an ihm vorbeiziehen lassen. Seit der Herbstwind durch die Straßen wehte, erwachte er endlich aus seiner Lethargie, aber nicht um festzustellen, dass es ihm besser ging. Im Gegenteil, er erkannte seine aussichtlose Lage klarer denn je. Das, was ihm die Stadt zu bieten hatte, interessierte ihn nicht. Er wollte nicht hinausgehen und so tun, als würde er leben, obwohl er nur ein Schatten unter Schatten war. Ein Vampir ohne ein Ziel vor Augen, ohne eine ernstzunehmende Aufgabe, ohne einen Funken Leben in seiner Brust.
„Wahnsinn, da lasse ich dich fünf Minuten allein und – schwups - hat sich was verändert! Du guckst ja gar nicht mehr trübe aus der Wäsche, mein Freund. Ist da draußen was Spannendes passiert? Obwohl ... Moment ... dieser Ausdruck gefällt mir auch nicht wirklich. Verdammt. Dabei warte ich schon seit Wochen wenn nicht seit Monaten darauf, das er sich ändert. Und nun das: eine verbitterte Miene. Ich vermute mal, aus der Party in den frühen Morgenstunden wird heute nix.“
Rascal war neben ihn getreten, die Hände in den Hosentaschen. Alles ganz entspannt, ein lockerer Plausch unter Freunden. Doch sie kannten sich zu lange und zu gut, um sich gegenseitig etwas vorzumachen. Finjas schenkte ihm ein angedeutetes Grinsen über das spiegelnde Fensterglas, mehr war nicht drin.
Hinter ihnen ertönten das Knatschen schwerer Boots.
„Großartige Idee, Rascal. Wir ziehen mit einem verzweifelten Vampir los und scheitern am Türsteher, weil Finjas kurz vor dem Eintritt ins Paradies anfängt, eine Ansprache über die Leere in unser aller Leben zu halten. Mir dröhnt noch seine letzte Rede durch den Kopf“, zischte Ley ihm ins Ohr. Dabei roch er die bittere Note in ihrem Atem, die verriet, dass sie schon mehr getrunken hatte, als gut für sie war. „Das war der beschissenste Ausklang einer Nacht, den ich je erlebt habe.“
Rascal lacht. „Ja, genau, weil sie letztlich Finjas reingelassen haben, und du draußen bleiben musstest. Auf seine Depri-Art ist er eben unwiderstehlich.“
„Unwiderstehlich ... kein anderes Wort passt besser zu Finjas, soviel steht fest.“
Diese Stimme besaß eine eigene Macht über Finjas, wie sie samtig und doch voller Zurückhaltung durch den Raum klang. Gegen seinen Willen drehte er sich um und musterte Alissa, die im Türbogen stehen geblieben war. Sie war ein hellstrahlender Traum, wunderschön. Und doch wusste er, dass auch sie von einer Kälte erfüllt war, wie sie ihnen allen zueigen war. Vor ihnen lag die Unendlichkeit, auch wenn sie gerade ihre ersten Schritte in die Unabhängigkeit setzten, jung, wie sie für Vampire waren. Aber das Wissen, dass ihnen unzählige Jahre zur Verfügung standen, machte sie zu Hüllen, denn nichts, was geschah oder welche Entscheidung sie fällten, zählte angesichts ihrer unbefristeten Zukunft. Ihr gesamtes Miteinander war nicht mehr als ein unterhaltsames Spiel und jeder einzelne darin war eine austauschbare Figur. „Sieh es ein, wir passen eben nicht zueinander“, flüsterte Alissa in einer Erinnerung. „Aber deshalb muss doch keiner von uns beiden eine Träne vergießen, schließlich wir haben die Unendlichkeit vor uns, um herauszufinden, wer wir sind und was wir wollen.“
In dieser Hinsicht war Finjas ihnen einen Schritt voraus: er wusste jetzt, wer er war, nämlich eine Niemand. Und er wusste, was er nicht wollte, nämlich weder Alissa noch einen anderen Schatten.
Ohne zu zögern – so, wie er es zuvor viele Jahre lang getan hatte - erwiderte er Alissas Blick. Warum auch nicht? Als sie vortäuschte, sich das helle Haar zurückzustreichen, damit sie ihn nicht länger ansehen musste, ließ es ihn unberührt.
„Ich schlage vor, wir brechen allmählich auf. Und da wir uns heute ausnahmsweise einmal amüsieren wollen, bleibst du bei deinem Fenster stehen und passt auf, dass niemand die Straße klaut.“
Die Angriffslust hinter Alissas Worten überraschte Finjas, dann musste er den Kopf schütteln. Schließlich war sie es gewesen, die die Distanz zwischen ihnen eingefordert hatte, als ihr bewusst geworden war, dass er mehr forderte, als sie zu geben imstande war. Dinge wie Wärme ... Vertrauen ... und eine Verbundenheit, die nicht beliebig aufgelöst werden konnte.
„Grüß den Türsteher von mir, dann lässt er euch auf jeden Fall ein“, sagte er mit einem Achselzucken, bevor er sich wieder der Aussicht zuwendete. Draußen hatte der Herbst sämtliche Blätter der Allee zu Boden gezwungen, bald würde der Schnee sie bedecken. Eine friedvolle Vorstellung.
Alissa schnaufte. „Als ob ich deine Hilfe brauchen würde, um in einen Club zu kommen.“ Trotzdem schwang eine unüberhörbare Unsicherheit mit.
„Zur Hölle, Finjas. Was macht es für einen Unterschied, ob du hier stehst oder mitkommst?“ Rascal packte ihn am Ellbogen, unsicher, ob die Nähe erwünscht war. Finjas war zuletzt nicht sonderlich zugänglich gewesen. „Außerdem ... wenn man erst mal da ist und es ordentlich krachen lässt, läuft es wie von allein.“
„Und wenn nicht, dann habe ich hier eine kleine Starthilfe.“
Leys Lachen klang wie Schleifpapier auf Finjas sensible Sinne. Dann drang ein glucksendes Geräusch zu ihm durch, dass ihn alles andere vergessen ließ. Ley hielt eine Blutkonserve in der Hand, eine ohne Banderole, also irgendein undefinierbares Zeug vom Schwarzmarkt, auf das sie so abfuhr. Geschickt fing er es auf, als sie ihm die Konserve zuwarf, und setzte eine paar Schritte in den Raum. Dieses scharlachrote Elixier war gut, verdammt gut, wenn man nichts anderes wollte, als abzudriften. Die Vorstellung war verführerisch, zweifelsohne. Ein Großteil ihrer Gattung schwörte darauf, dass es der beste Weg war, um die Unsterblichkeit durchzustehen. Benommen, nicht Herr seine Sinne und Wünsche.
„Was soll’s, dann pfeif Dir das Dreckszeug eben rein, wenn es nicht anders geht.“ Rascal sah unzufrieden aus, denn er mochte die Schwarzmarktkonserven nicht. Warum auch? Ihm ging es auch so blendend, es sei denn sein bester Freund schwelgte in Depressionen.
Finjas wog die Konserve in seiner Hand, sie fühlte sich kalt und künstlich an. Das exakte Gegenteil von dem, wonach er sich sehnte. Bevor er den Entschluss überhaupt gefasst hatte, warf er die Konserve mit aller Kraft gegen das Fenster, das zerbrach. In einer Bruchstelle blieb der Plastikbeutel hängen, wurde aufgeschlitzt und ergoss seinen Inhalt über das heile gebliebene Glas. Färbte die Welt rot ein.
Das Rot zündete eine Idee hinter seiner Stirn.
Unwillkürlich schloss Finjas seine Augen und dachte an Schnee, an weiße, spurenlose Reinheit, an eine weiche Decke, die sich über alles legte und es dämmte und schließlich zum Schlafen brachte, bis es endlich Zeit war, sich zu erheben und das Gesicht der Sonne entgegenzuhalten. Dorthin würde er gehen, in ein Reich aus Schnee, dort würde er darauf warten, dass das Leben für ihn endlich anbrach.
Während dieser Entschluss in ihm reifte, achtete er nicht auf seine Freunde, die zuerst wild durcheinanderredeten und an ihm herumzerrten, um dann leise zu werden und schließlich zu gehen. Erst als er alleine war und er sich sicher sein konnte, dass niemand etwas von seinem Tun mitbekam, ging er ebenfalls.
Endgültig.

Wohin Finjas geht und was ihn dort erwartet, erfahrt Ihr in der Geschichte „Eine Spur von Rot“ in „Stille Nacht“.

Donnerstag, 3. November 2011

Interview mit Annina Braunmiller

Ich hatte es ja schon vor längerer Zeit angekündigt, heute ist es endlich soweit: Mein Interview mit Annina Braunmiller, die u.a. die Stimme des „Traumsplitter“-Hörbuchs ist. Here we go!


Hallo Annina, schön, dass ich Dir ein paar Löcher in den Bauch fragen darf, darauf habe ich mich sehr gefreut. Magst Du Dich zuerst aber erst einmal kurz vorstellen?


Aber gern – mein Name ist Annina Braunmiller und ich habe das unwahrscheinliche Glück von meinem Traumberuf leben zu können! Ich arbeite als Synchronsprecherin für diverse Filme und Serien und manchmal habe ich auch noch die Gelegenheit selbst auf der Bühne zu stehen (nicht mehr sehr oft, aber das liegt daran, dass ich als Sprecherin so viel zu tun habe – und da mich das sehr glücklich macht, ist das gar nicht schlimm!). Außerdem spreche ich voice-over für verschiedene Formate und darf immer wieder mal ein Hörbuch einlesen, was ich besonders gern mache!



Wie sah denn Dein Weg zu diesem spannenden und auch außergewöhnlichen Beruf aus?

Wie so viele Kinder wollte auch ich schon immer Schauspielerin werden. Und wie so viele Eltern, fanden auch die meinen, dass das eine sehr brotlose Kunst sei, von der zu leben fast unmöglich ist. Aber ich wollte diesen Traum nicht ganz aufgeben und habe mich deshalb mit 18 Jahren an meiner Wunsch-Schule, der Stage School in Hamburg beworben. Und zur allgemeinen Überraschung haben die mich dort tatsächlich angenommen! Darauf folgte eine dreijährige Musicalausbildung an deren Ende ich die glanzvolle Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte Bühnendarstellerin für Gesang, Tanz und Schauspiel“ erlangen konnte.
Nach der Ausbildung hat mich das Heimweh zurück nach Bayern geführt, wo ich erst ein paar Schauspieljobs hatte und unter anderem für das ZDF-Showballett tanzte, sowie mit einer Musicalgala auf kleiner Tour war. Nebenbei begann ich mit dem Synchronsprechen, wo ich recht schnell Fuß fassen konnte, so dass sich immer mehr herauskristallisierte, dass die Sprecherei genau „mein Ding“ ist. Nach ein paar Monaten bekam ich dann meine erste Hauptrolle in einem Disney-Film und nur wenig später hatte ich das große Glück den ersten Twilight-Trailer synchronisieren zu dürfen. Von da an ging es stetig aufwärts – nach dem großen Erfolg des ersten Filmes sprach mich der Hörbuch Hamburg Verlag an, ob ich Lust hätte, den ersten Twilight-Band als ungekürztes Hörbuch einzulesen. Und ob ich Lust hatte! Phantastischerweise kamen danach noch einige weitere Hörbuch-Aufträge, so dass ich auch in dieser Branche etwas Fuß fassen konnte. Und zack, waren vier Jahre rum.


Du arbeitest auch als Schauspielerin. Inwiefern profitieren Deine beiden Jobs voneinander?

Sehr! Bei der Sprecherei ist es von großem Vorteil, wenn man einen Schauspielhintergrund hat, da man sich so leichter in die jeweilige Rolle hineinversetzen kann. Man hat gelernt, die Stimme als „Werkzeug“ zu benutzen und richtig einzusetzen. Und Spielfreude ist eine Grundvoraussetzung für die Sprecherei. Gerade bei Hörbüchern ist man ja ganz auf sich allein gestellt und muss die unterschiedlichsten Figuren zum Leben erwecken. Da sitzt man vor dem Mikrofon und spielt die Situationen richtig!
Andersrum profitiere ich auch beim Spielen davon, dass ich meine Stimme jetzt bewusster wahrnehme/einsetze, da man so Emotionen noch verstärken und besser rüber bringen kann!


Wie bereitest Du Dich auf eine Sprecherrolle vor?

Das ist ganz unterschiedlich.
Beim Synchron weiß man oft vorher nicht, was man gleich im Studio aufnehmen wird. Da bereitet einen dann der Regisseur vor, in dem er dem Sprecher seine Rolle/die Hintergründe genau erklärt. Bei einer großen Rolle ist es ein bisschen anders, da sieht man sich meistens vorab den jeweiligen Film an, so dass man weiß, was einen erwartet.
Bei voice-over/Werbung erfährt man ebenfalls erst im Studio, was man heute spricht und muss sich dann auf die jeweilige Situation einstellen (Werbung für Knetmasse klingt logischerweise ganz anders, als Werbung für einen IT-Konzern).
Bei Hörbüchern ist die Vorbereitung wesentlich umfangreicher – da bekommt man den Text vorab und kann sich gezielt vorbereiten; aber auch da arbeitet jeder anders. Bei mir sieht das so aus, dass ich das jeweilige Buch erst ungekürzt lese (die meisten Hörbuchproduktionen sind gekürzte Lesungen) um die Handlung und die Charaktere bestmöglichst zu verstehen. Wenn ich dann den Text vom Verlag bekomme, beginnt der bunte Teil meiner Arbeit – dann arbeite ich das Manuskript durch und leuchte die komplette direkte Rede in unterschiedlichen Farben; jede Hauptfigur erhält ihren eigenen Leuchtstift (bei „Traumsplitter“ war das z.B. Gelb für Ella, Türkis für Gabriel, Rot für Bernadette…) wobei ich versuche eine passende Farbe zum jeweiligen Charakter auszuwählen. So weiß ich beim einlesen sofort, welche Figur gerade spricht und kann mich stimmlich anpassen…


Ist es für Deine Arbeit wichtig, dass der Text Dich überzeugt?

Sagen wir mal, es hilft… Aber im Idealfall hört man hinterher nicht, was ich persönlich von dem jeweiligen Werk halte, schließlich versuche ich ja professionell zu arbeiten. Doch natürlich macht es mehr Spaß eine Rolle zu sprechen/ein Buch einzulesen, dass mir persönlich etwas bedeutet!!


Gab es schon einmal eine Synchro-Situation, die so gar nicht hinhaute?

Natürlich klappt nicht immer alles reibungslos. Sei es, dass man sich einer Figur anpassen muss, die einem nicht so liegt (gerade beim Synchron gibt es Schauspieler, die einen ähnlichen Rhythmus haben, wie man selbst und solche, die komplett anders reden, wo es dann viel schwieriger wird, dass Synchron hinzukriegen). Ich musste z.B. mal für eine Zeichentrickserie ein Baby synchronisieren; da guckt man im Studio dann schon mal kurz blöd aus der Wäsche – aber auch das geht irgendwie.
Oder aber die äußeren Umstände meinen es nicht gut mit einem…bei der Synchronisation des Filmes „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ habe ich z.B. am ersten Aufnahmetag fürchterlichen Heuschnupfen gehabt! Es ist nicht ganz leicht, romantische Gefühle aufkommen zu lassen, wenn mein Kollege Johannes Raspe (die Stimme von Edward) ein „Heirate mich, Bella“ haucht und alles was ich denken kann ist „Nicht auf’s Mikro rotzen!“. Und dann lief da irgendwas mit den Medikamenten schief…nach ein paar Stunden klang ich so verschnupft, dass wir irgendwann abbrechen mussten. Und im Nachhinein kann ich mich an 60 Takes, die ich an diesem Tag aufgenommen habe, einfach nicht mehr erinnern. Da saß ich dann später im Kino und dachte mir „Ach guck mal, dass hast du alles gesagt?!“


Welchen Roman würdest Du gern einlesen oder welche Figur sychronisieren?

Ui, ganz schwierige Frage!!
Viele meiner Lieblingsbücher gibt es bereits als Hörbücher, die kann ich also leider gar nicht mehr einlesen…aber vielleicht wird ja mal ein Jane Austen Roman neu aufgenommen, da melde ich mich freiwillig!
Im Synchron würde ich mir wünschen, Kristen Stewart als Schauspielerin zu behalten, da ich sie mittlerweile sehr gut kenne und mich dabei wohlfühle, sie zu sprechen. Da gibt es aber noch andere Schauspielerinnen, die ich gern mag und hoffentlich noch öfters sprechen darf!
Bei den Simpsons würde ich gern mal mitmachen, bei Star Trek (yup, bin ein bekennender Trekkie) und im „Kleinen Hobbit“ (auch wenn’s da quasi keine Frauen gibt). Ansonsten lass ich mich überraschen, was noch so alles kommt – solange ich arbeiten darf, bin ich glücklich!


Wirst Du dem „Sprechen“ treu bleiben?

Auf jeden Fall!!!! Ich liebe die Sprecherei in all ihren unterschiedlichen Formen und fühle mich dabei stets aufs Neue gefordert und gerade bei Hörbüchern kann man „etwas Eigenes“ kreieren, was ein tolles Gefühl ist. Für mich ist mein Beruf sehr erfüllend und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das so bald ändern wird…


Vielen Dank, liebe Annina, für dieses klasse Interview. Es ist wirklich spannend, einen Einblick in diesen erstaunlich kreativen Job zu bekommen. Und ich drücke Dir fest die Daumen, dass wir Deine Stimme nicht bloß noch oft zu hören bekommen, sondern auch Deine Wünsche Wirklichkeit werden. Wer Babys spricht, bekommt auch einen Zwerg hin!


Lieben Dank auch an Heinke, die beim Fragenaustüfteln mitgeholfen hat.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Und der "Traumsplitter" geht an ...

Gerade frage ich mich, ob die Verlosung wirklich eine gute Idee gewesen ist. Nicht etwa wegen meines überquellenden E-Mail-Eingangs – nein, wirklich nicht. Allerdings ist es eine Zumutung, aus all diesen großartigen Zuschriften nur drei herauszupicken. Die reinste Zumutung. Gemein. Grausam. Aber was soll man machen? Eine Verlosung ist eben eine Verlosung.

Und das sind sie, die drei Gewinner!

Je ein signiertes „Traumsplitter“-Exemplar geht an … *Trommelwirbel*:

Die Nr.1 ist Karina: „Bei Traumsplitter denke an eine romantische, traurige, verzaubernde, mich in ihren Bann ziehende Geschichte, von der ich mir erwarte, dass ich Taschentücher und Tee und Schokolade, und Chips und - nein. Ich will einfach das Buch lesen, weil mich Dein Schreibstil, Deine Figuren, Deine schillernden Geschichten berühren, mich wütend und traurig machen. Weil ich in dieser Geschichte von Träumen und Liebe versinken will. Weil ich mit ihnen leiden und lachen, weinen und träumen will. Weil ich wissen will ob Ella als Fotografin Dinge einfängt, die mich berühren, wird der Garten wieder blühen, wird sie in Gabriel ihren Gefährten finden.“ Wow, oder?

Als Nr.2 ziehe ich Tanja (nicht mich selbst, versprochen ;-): „Alles was ich zu "Traumsplitter" über die Kurzbeschreibung gelesen habe, macht mich neugierig. Neugierig auf die Hafenstadt, auf die Villa, auf den mystischen Gabriel - einfach auf alles. Ich stelle mir vor, wie jemand sich in meine Träume einschleicht. Welch furchtbare Vorstellung! Wenn Gabriel durch Ellas Traumwelt wandert, überlege ich, ob er auch die Gabe besitzt Träume zu manipulieren. Welche Kreatur ist er, dass er diese Gabe besitzt? Vielleicht muss sich ihm gegenüber erst das Herz einer Frau öffnen, damit sich ihm das Tor zur Traumwelt auftut.“ Wünscht da nun jemand nächtlichen Besuch oder nicht?

Und als Nr.3 zaubere ich Jacqueline aus dem Hut: „Um ehrlich zu sein, gibt es tausend wundervolle Gründe, weshalb ich dieses Buch so gerne haben möchte. Als ich von dem Buch erfuhr, konnte ich es kaum abwarten, es endlich in die Finger zu bekommen und einfach in deinen Geschichten unterzugehen :). Es macht einfach so viel Spaß, deine Bücher zu lesen, besonders bei diesem Herbstwetter.“ Da möchte ich mich direkt selbst mit einem Buch in der Hand aufs Sofa verkrümeln …

Herzlichen Glückwunsch! Nun müsst Ihr mir nur noch Eure Anschriften zukommen lassen, dann geht der „Traumsplitter“ auf Reisen.

Ganz kurz bin ich übrigens in Versuchung gekommen, noch einige Extra-Preise auszurufen, weil auch so ungewöhnliche Einsendungen wie Gedichte oder ein Traum-Essay dabei waren. Das erschien mir dann jedoch nicht fair, denn letztendlich war jede Einsendung etwas Besonderes und insofern ist das Los immer noch die beste Entscheidungsform.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Traumsplitter-Verlosung

Nur noch vier Mal schlafen, dann erscheint der "Traumsplitter" - so schnell geht das manchmal. Dabei war es gerade noch Sommer und ich habe die Fahnen Korrektur gelesen. Tja, und jetzt wagt sich der kleine Liebling bereits unter die Leute.

Den Startschuss für dieses Jubelereignis möchte ich mit der Verlosung von 3 signierten "Traumsplittern" feiern!

Wer mir bis zum 18.10. (am 17.10 um 24 Uhr fand ich etwas albern :) die witzigste, bezauberndste, originellste, liebevollste, verspielteste oder vertäumteste Erklärung dafür gibt, warum sie oder er den "Traumsplitter" unbedingt lesen will, kann ein Exemplar gewinnen. Außerdem würde ich Eure Rückmeldungen gern in meinen Blog stellen.

Also nur zu: warum kribbelt es Euch beim "Traumsplitter" in den Finger, so dass Ihr gern lesen würdet? Schreibt an t.heitmann1975@gmx.de

Ich bin sehr gespannt & freue mich jetzt schon!

Eure Tanja

Montag, 10. Oktober 2011

Nachschlag

Und weil es so schön ist, kommt hier eine Aufnahme "von hinten" ;-)




Unser Zwerg sagte zur Ankunft des neuen Buch-Babys übrigens mit wenig Begeisterung : "Wie? Schon wieder eins?"

Da musste ich spontan an die Szene in Monty Phytons "Sinn des Lebens" denken, in der ein Baby seiner Mutter so ganz nebenbei aus dem Schoss plumpst und sie sagt sinngemäß zu einem ihrer Kinder: "Pack es zu den anderen". Also, wenn ich soweit bin, dass ich genau so über ein neu erschienenes Buch von mir denke, gebe ich das Schreiben auf. Versprochen.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Baby da!


Es war zwar nicht der Klapperstorch, sondern der Postbote, der wie jeden morgen mit viel Gepolter unsere Treppe erklommen hat, aber ein Baby hatte er trotzdem mit dabei in seine Tasche. Sogar eins von der pflegeleichten Sorte, das weder Windeln braucht noch rumkrakelt. Meine Aufmerksamkeit ist ihm ohnehin sicher, weil es so außergewöhnlich hübsch anzusehen ist. Knallrosa, so wie man sich das von einem Baby wünscht.
Okay, ich gebe es zu: ich bin ein wenig überdreht, dabei hat der Postbote im Lauf der letzten Jahre schon einige Babys vorbeigebracht. Das tut meiner Begeisterung keinen Abbruch, es bleibt das Mama-Gefühl, das nichts anderes bedeutet als „auf dich habe ich gewartet“.
Was für ein Schutzumschlag! Silbrig schraffiert mit Spotlacklackierung und gestanzten Metallranken und -blättern. Muss ja auch mal zugegeben werden, dass so ein schickes Outfit für ein Buch auch nicht gerade unwichtig ist. Liebe auf den ersten Blick – nie zu unterschätzen.
Oh, jetzt kommt mir gerade der Gedanke, dass es ganz schrecklich wäre, wenn jemand den „Traumsplitter“ lediglich wegen seines umwerfenden Aussehens mit nach Hause nimmt und dann feststellt, dass sie oder er seinen Inhalt nicht mag. Womit wir bei der nächsten Emotion der Buchveröffentlichung angekommen wäre: zittern, erwarten, verzweifeln. Mütter wollen halt immer, dass ihre Kinder geliebt werden.


Und so sieht er aus, der kleine Spatz

Dienstag, 6. September 2011

Eine Stimme für den Traumsplitter

„Lampion! Lampion! Lampion!“
Ein Wort, das sich fix tippen lässt, und über das man wirklich nicht nachdenken muss. Zumindest nicht als Autor. Für einen Sprecher kann es glatt zum Hassobjekt werden.
„Du, Annina, das klingt immer noch wie Champingnon und nicht wie Lampiooon.“
Den folgenden Wutschrei kann ich dafür nur umschreiben, während Annina Braunmiller ihn eindrucksvoll vorführen kann. Wie die Sprecherin des „Traumsplitters“ ohnehin alles sehr eindrucksvoll macht an diesem Septembertag im Münchner opus live -Studio:  flüstern, drohen, flirten und sogar singen. Alles unterlegt mit der passenden Mimik, wie die faszinierte Autorin von ihrem Stuhl hinterm Mischpult aus beobachtet.
Annina lebt, was sie spricht, ist ganz und gar in jeder Figur drin.
Dass ich mit dabei sein darf, wenn das „Traumsplitter“-Hörbuch aufgenommen wird, verdanke ich Thomas Krüger, der seines Zeichens nicht nur Herrscher über den Audiobuch-Verlag „Schall & Wahn“ ist, sondern auch die Regie bei der Aufnahme führt. Ihm ist es zu zuscheiben, dass Annina und der Lampion schon bald ganz dicke miteineinander sind.
„Können die Dinger nicht einfach chinesische Leuchtkunstwerke heißen?“, fragt die Sprecherin mit einem charmanten Lächeln.
Nein, leider nicht.
Man sollte eigentlich nicht glauben, dass einem „chinesische Leuchtkunstwerke“ leichter von den Lippen geht, aber bei Annina klappt das ... wie auch alles andere, was sie in dem kochendheißen Studio ins Mikro spricht (draußen herrschte Sonnenschein pur - was mir persönlich schnuppe war, ich hätte stundenlang zuhören können. Na ja, habe ich dann ja auch). Sicherlich hängt es mit ihrer Musical-Ausbildung zusammen, die die Basis dafür bildet, dass Thomas nur sagen muss: „Leg mal die Betonung aufs Verb“ und – zack – schon klingt der Satz vollkommen anders. Vor allem ist jedoch ihre akribische Vorbereitung dafür verantwortlich, dass sie den Roman nicht bloß vorliest, sondern interpretiert. Auf eine Weise, dass ich als Autorin daneben sitze und ständig denke: „Genau so muss das klingen, der Ton ist perfekt Ella“. Und erst Anninas fiese Bernadette ... eine tiefe sexy Stimme. Kaum zu glauben, wo sie ansonsten doch eher jung und und von der Stimmlage eher hoch klingt.
In einer Pause, in der wir kräftig Wasser trinken und uns nur knapp davon abhalten können, es uns über den Kopf zu gießen, erzählt Annina, dass sie den „Traumsplitter“ zuerst komplett und dann die gekürzte Fassung gelesen hat. Anschließend beginnt sie mit dem „Leuchten“: jede Figur bekommt bei ihr eine eigene Farbe („Gelb für Ella, weil sie ein Sonnenschein ist.“) und der Text wird noch einmal darauf durchgesehen, wie betont werden muss. Dem Ergebnis ist dann anzuhören, wie gut Annina die Geschichte kennt. Da wird ein Satz hervorgehoben, weil sie weiß, dass seine Aussage später noch von Bedeutung sein wird, oder die richtigen Stellen ironisch betont, obwohl es erst auf den zweiten Blick ersichtlich ist.
Während ich vollkommen hin und weg bin, tippt Thomas – der den Text auf seinem i-Pad verfolgt - immer wieder auf einen roten Knopf. Das Studio, in dem Annina liest, ist nämlich schalldicht und man braucht dieses Knöpfchen, damit sie uns hören kann. Wir hingegen hören alles, was sie von sich gibt, sogar ein Magenknurren. Sobald Thomas also bemerkt, dass ein Wort vorschluckt wurde oder er einen Vorschlag machen möchte, wie man einen Satz auch anderes sprechen könnte, drückt er das berühmte Knöpfchen. Oder auch nicht. Dann erklingt plötzlich Anninas Stimme: „Hey, worüber lacht ihr denn? Ich sehe doch, dass ihr die Lippen bewegt. Thomas, lass mich auch mithören!“
Man merkt schon, die Stimmung während der Aufnahme war locker-flockig, obwohl die Arbeit volle Konzentration kostet. Zeitintensiv ist sie auch, aber das schien niemanden zu stören, auch nicht Benjamin Schadel-Hermann, den Tonleiter mit Zwirbelschnurrbart und „Iron Maiden“-T-Shirt, der in aller Ruhe über den im Text vorkommenden Kimono spricht, wo er doch Japanologie studiert hat. Da wundert man sich auch nicht weiter, dass Annina für Thomas plötzlich „Blümchen“ heißt, schließlich spielt ein Garten eine wichtige Rolle im „Traumsplitter“.
Als wir abends auf allen vieren aus dem Tonstudio krabbeln, wünsche ich mir inständig, das fertige Hörbuch bereits mit nach Hause zu nehmen. Beim Zuhören hatte ich zeitweise vergessen, dass ich den Text ja kenne, so begeistert war ich. Aber leider, leider wird das ganze noch ein Weilchen dauern, bis es soweit ist: Benjamin wird nun in Geduldsarbeit die Sätze richtig aneinanderbauen, raussuchen, welche Satzvariante die bessere ist und Anninas „Das kann ich schöner. Noch einmal!“ rausschneiden. An zehn Minuten Aufnahme sitzt er deshalb ca. eine Stunde. Auweia.
Ich habe allerdings das gute Gefühl, dass sich die Arbeit wirklich lohnt.
Lam-ping-pong.

PS: Demnächst stelle ich ein kleines Interview mit Annina in meinen Blog. Ich bin jetzt schon gespannt!

Und hier noch ein paar Foto zur hübschen Veranschaulichung ;-)




Annina im Studio - ganz entspannt



Ihr "geleuchteter" Text


Thomas, Text und Tanja

Donnerstag, 18. August 2011

Nichts als Schererei mit der Drei


Eigentlich sollte man denken, dass es Pillepalle ist, den letzten Band einer Trilogie zu schreiben. Denn falls der Autor seine Figuren bis jetzt nicht aus dem Effeff kennt, werden sie ihm für immer ein Rätsel bleiben. Und der Super-Knüller-Höhepunkt, auf dem man schon seit zig Seite zusteuert, sollte lediglich ein Klacks sein, schließlich sind alle Pfade bereits daraufhin ausgerichtet. Der Schreiberling läuft quasi ausschließlich bekanntes Gelände ab.
Ahnungslos, wer solches denkt.
Während ich über dem Schlussband der „Schattenschwingen“ brüte, erinnere ich mich daran, dass ich das alles schon einmal bei der „Maliande“-Trilogie durchgemacht habe. Allerdings fällt mir das erst jetzt ein. Als mir die Idee für die Sphären-Reihe gekommen ist, habe ich daran keinen Gedanken verschwendet. Offenbar ist es mit dem Schreiben wie mit dem Kinderkriegen: sobald das Baby das Licht der Welt erblickt, hat die Mama ihr ausgiebiges Schreien und Schimpfen bereits vergessen.
Hallo da draußen? Könnte bitte jemand für mich dokumentieren, wie ich im Augenblick verzweifelt abwäge, welcher Nebenfigur noch wie viel Spielraum zugestanden werden kann, und welcher Faden aus Platzmangel einfach abgeschnitten wird? Sonst verdränge ich auch das sofort wieder und stürze mich in die nächste Reihe. Ist mir durchaus zuzutrauen.
Womit das große Problem beim Abschlussbandschreiben auch schon benannt ist: die Überdosis an Möglichkeiten. Man baut nicht nur an dem an, was man in den beiden Vorgängerbänden erschrieben hat, sondern möchte ja auch Neues schaffen, ohne den Rahmen zu sprengen.
Vielleicht bn ich ja auf dem falschen Floss unterwegs, aber ich bin kein Fan von Abschlussbänden, deren Umfang explodiert, weil der Autor den roten Faden verloren hat und mittlerweile alles wichtig findet und jede Klitzekleinigkeit auserzählt. Klar, das Bedürfnis verspüre ich auch. Schließlich hat man all die Geschichten im Kopf, aber in so einem Fall muss man ganz hart den Michael Ende machen und sagen „aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden“.
Vor lauter Grübeleien bin ich so erschöpft, dass mir nicht einmal ein ordentlicher Schlusssatz einfällt. Außer dem hier: mit einer Fortsetzung über das Gestöhne über das Schreiben von Fortsetzungen ist bei mir definitiv zu rechnen. In mindestens drei Teilen!

Mittwoch, 17. August 2011

Schatzsuche: Aus die Maus

Ahoi! Das kommt davon, wenn man kurzerhand ans Meer fährt, anstatt das Ende der Schatzsuche abzuwarten: man gratuliert - mit vielen Tagen Verspätung - den Gewinnern und kann auch nur hoffen, dass auch alle anderen Teilnehmen viel Spaß hatten.

Nun ja, besser zu spät als nie ... darum herzlichen Glückwunsch an alle Schatzsucher, Homepagespringer, Piraten und natürlich an die glücklichen Einheimser! Hier kommt auch noch der Link für alle diejenigen, die sich wie ich woanders getummelt haben: http://www.youtube.com/watch?v=YCaGL197Iwo&feature=player_embedded

Eure Landratte Tanja

Sonntag, 31. Juli 2011

Schatzsuche der fantastischen 10


Herzlich willkommen, liebe Schatzsucher!
Wenn Ihr so weit gekommen seid, habt Ihr ja schon einiges gesehen, gelesen und hoffentlich auch schon viel Spaß gehabt. Nachdem vermutlich schon jede Menge Buchstabenstaub auf Euch niedergerieselt ist, gibt es nun eine kleine Abwechslung ... ein Bild.

Schattenschwingen tragen kein Gefieder, trotzdem kann ihnen etwas verloren gehen ... und der Anfangsbuchstabe von diesem kleinen Etwas, um den geht es bei meinem Rätsel.

Erraten? Dann geht es weiter bei meiner lieben Kollegin Michaela Hammesfahr (http://hammesfahr-fantasy.blogspot.com/) und wer gerade als Neusteiger reinkommt, geht einfach auf die Webpage von Jeanine Krock, die den Startschuss gibt. Viel Glück!

Sonntag, 24. Juli 2011

Kreativ, mal anders


Da bin ich also ... mal wieder. Gerade noch rechtzeitig, ansonsten wäre mein Blog bestimmt verhungert. Aber so ist das nun einmal, wenn Frau Autorin mit einem Teil ihres Denkapparats im Sprachlektorat steckt, während ein anderer nicht unwesentlicher Teil darauf besteht, schon mit dem neuen Roman zu beginnen, der schließlich schon viel zu lange warten muss.
Eigentlich eine schöne Sache eine solche Zweigleisigkeit. Das weiß man, dass man wirklich arbeitet und sich nicht ausschließlich vergnügt, indem man unschuldige Mädchen ihren schlimmsten Albtraum erleben lässt. Einen Albtraum mit blonden Locken und – ja, wer hätte es gedacht! – Engelsgesicht. Auch das Lektorat für den „Traumsplitter“ ist nicht ohne, da die Sprache sich von den anderen Dämonenbüchern unterscheidet. Nicht nur weil eine Geschichte über Figuren Anfang zwanzig anders erzählt werden muss, sondern auch wegen des Romans selbst: manche Autoren bleiben ihrem Erzählstil über viele Bücher hinweg treu, bei mir passt er sich automatisch der Geschichte an. Und in der Hafenstadt Sandfern herrscht gerade ein Jahrhundertsommer ... was man von unserem aktuellen Seltsamwetter nicht gerade behaupten kann.
Womit wir beim ABER ankommen sind. Hitze (v.a. in Kombination mit Schwüle) ist der absolute Konzentrationstod. Wer weiß, was in diesen drückenden Tagen, an denen man nur mit Hilfe einer Überdosis Fritz-kola überlebt, auf der Strecke geblieben ist? Und nach dem Temperaturensturz den Wollpulli rauszuholen und einen Kürbis als Herbst-Deko neben die Haustür zu rollen, macht es auch nicht unbedingt besser.
Hier mein Lösungsvorschlag: wenn man beim Versuch, sich auf das Buchstabenflimmern auf dem Bildschirm zu konzentrieren, zu schielen anfängt und am liebsten alles Getippselte löschen möchte, weil es nur Quark sein kann ... dann ist es höchste Eisenbahn umzulenken. Mir kam gerade eine Schatzsuche zur Hilfe, die ich mit KollegInnen ab dem 1. August für unsere Leserschaft veranstalten werde (für alle Interessierten: den Startschuss gibt Jeanine Krock auf ihrem Blog. Einfach draufschauen, es wird definitiv Spaß machen). Ich habe zum Zeichenstift gegriffen, etwas, das ich seit Jahren nicht getan habe. Es war genau das richtige, denn auf diese Weise kann man auch etwas erzählen, aber auf eine ganz andere Weise. Außerdem ist es zutiefst befriedigend, einer weißen Fläche einen Stempel aufzudrücken. Es müssen ja nicht immer Wörter sein.